Was ist Diätkultur? – Eine Definition

Bei dem Begriff Diätkultur denken viele, klar, an Diäten. Aber Diätkultur ist so viel mehr als Kalorienzählen und Abnehmen. Es handelt sich dabei um ein komplexes System von gefährlichen Glaubenssätzen – und du bist Teil davon. Erfahre in diesem Artikel, was Diätkultur genau bedeutet, warum sie problematisch ist und wie du aus dem Teufelskreis der Diätkultur aussteigen kannst.

ei dem Begriff Diätkultur denken viele, klar, an Diäten. Aber Diätkultur ist so viel mehr als Kalorienzählen und Abnehmen. Es handelt sich dabei um ein komplexes System von gefährlichen Glaubenssätzen - und du bist Teil davon. Erfahre in diesem Artikel, was Diätkultur genau bedeutet, warum sie problematisch ist und wie du aus dem Teufelskreis der Diätkultur aussteigen kannst.

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Der Begriff Diätkultur erfährt zunehmenede Popularität. Vielleicht ist er dir schon einmal im Zusammenhang mit Body Positivity, Fat Acceptance oder Gewichtsdiskriminierung aufgefallen (→ Was ist Body Positivity? – Eine Definition).

Doch zu oft haben wir eine unvollständige Vorstellung davon, was Diätkultur eigentlich bedeutet. Wenn ich diesen Begriff in meiner Arbeit mit dicken Frauen nutze, höre ich oft den Einwand: „Aber ich mache doch gar keine Diät!“ Dabei sind Diäten nur ein winziger Teil der Diätkultur, einer Kultur, die auf denselben Glaubenssätzen fußt wie das, was wir landläufig unter dem Begriff „Diät“ verstehen.

Um zu erfassen, wie sich Diätkultur in unserem Leben überhaupt zeigt und warum sie gefährlich ist, müssen wir erst einmal begreifen, was Diätkultur eigentlich bedeutet. Denn nur so haben wir eine Chance, diesem schädlichen System zu entkommen und es aktiv zu bekämpfen.

Was ist Diätkultur?

Die Diätkultur hat viele Facetten. Generell lässt sie sich aber wie folgt definieren: Diätkultur ist ein System von Glaubenssätzen, das Schlankheit einen überlegenen moralischen Wert zuordnet. Dabei gilt Schlankheit gleichzeitig als Synonym für Gesundheit. In der Diätkultur herrscht also nicht nur ein Schlankheits-, sondern auch ein Gesundheitsideal, die angeblich von jedem Menschen erreicht werden können (und sollen), wenn er oder sie nur alles „richtig“ macht, sich also an die Regeln der Diätkultur hält.

Das westliche Schönheitsideal für weibliche Körper ist deshalb definiert als schlank, jung, weiß und wird mit positiven Eigenschaften assoziiert, wie etwa schön, gesund, erfolgreich und diszipliniert. Demgegenüber erfahren dicke Körper automatische Abwertungen durch negative Assoziationen wie faul, hässlich, dumm, krank, unsportlich, ungepflegt oder undiszipliniert. Obwohl nichts davon von der Körperform abgelesen werden kann, bewertet die Diätkultur Menschen auf diese Weise – und diese Werteskala hat weitreichende Folgen (→ Warum wir das Schönheitsideal überwinden müssen).

Diät: Jedwede Restriktion und Manipulation des (Ess-)Verhaltens zur Gewichtsreduktion. | Zitat | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

Wer schlank ist, wird mit einem höheren gesellschaftlichen Status belohnt (Thin Privilege). Diese diätkulturelle Logik führt im Unkehrschluss dazu, dass Menschen, die dem Schlankheitsideal nicht entsprechen, Abwertung, Body Shaming und Diskriminierung erfahren. In der Diätkultur gelten ein schlanker Körper und gesellschaftlich anerkannte Attraktivität also als wichtiger als wirkliche körperliche und mentale Gesundheit sowie das individuelle Wohlbefinden.

Wie kannst du Diätkultur erkennen?

Das klingt erst einmal recht abstrakt. Doch die Diätkultur ist alles andere als theoretisch und findet sich in unglaublich vielen Dingen wieder, die du und die Menschen um dich herum denken und tun. Weil diätkulturelle Glaubenssätze jedoch derart tief in unsere Gesellschafts-DNA eingewoben sind, kann es schwierig sein, sie zu erkennen.

Noch dazu kann der Name Diätkultur irreführend wirken, weil er die meisten an Diäten im engeren Sinne denken lässt. Denn die Diätkultur hat uns auch glauben gemacht, dass Gewichtsreduktion für „Gesundheit“, „Fitness“ oder „Wellness“ keine Diät wäre. Tatsächlich fällt unter diesen Begriff aber alles, was wir tun oder lassen, um unser Gewicht zu manipulieren. Schon darüber nachzudenken, wie ein bestimmtes Verhalten dein Gewicht beeinflussen könnte, ist Diätmentalität und damit Teil der Diätkultur. Verrückt, oder? Hier erfährst du genau, → woran du eine Diät erkennst.

Ganz allgemein gesprochen findest du Diätkultur überall dort, wo dir suggeriert wird – auch von dir selbst! -, du wärst nicht gut genug mit dem Körper, den du gerade hast (→ Du bist genug). Das betrifft in erster Linie dicke Körper. Aber auch wenn du schlank bist, kann dich die Diätkultur in ihren Fängen haben: einerseits, indem sie dich fragt, ob denn du schlank genug bist, und andererseits, indem sie dir unablässig Angst davor macht zuzunehmen, also deinen höherwertigen schlanken Status zu verlieren.

Die Diätkultur, das sind wir alle. Wir alle sind Produkt der Diätkultur und tragen dazu bei, sie aufrechtzuerhalten. Das machen wir selten bewusst. Vielmehr handelt sich bei der Diätkultur um ein System, das sich selbst reproduziert durch alles, was wir denken und tun.  | Zitat | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

Darüber hinaus kannst du Diätkultur an den folgenden Dingen erkennen:

  • der Glaube, dass bestimmte Lebensmittel oder Ernährungsformen „gut“, „schlankheitsfördernd“ und „gesund“ sind, während andere Lebensmittel und Essverhalten vermieden werden müssen, weil sie „schlecht“, „dickmachend“ und „ungesund“ sind – und in der Folge: dass wir „gut“ oder „schlecht“ sind, wenn wir bestimmte Dinge tun.
  • die vollkommene Normalisierung von restriktiver Ernährung (Kalorienzählen, Kompensationsverhalten, Gespräche über Diäten).
  • der Wunsch, das eigene Gewicht zu kontrollieren.
  • die Überzeugung, positive Dinge (Erfolg, Liebe, Respekt) erst verdient zu haben, wenn man einen bestimmten Körper hat.
  • die – auch unbewusste – Überzeugung, dass schlanke Menschen gesünder und damit besser und deshalb nicht-schlanken Menschen moralisch überlegen sind.
  • die daraus resultierende Rechtfertigung, um dicke Menschen schlechter zu behandeln [Link zu „The Stigma of Obesity“], sowie auch sich selbst zu abzuwerten, wenn man den Idealen nicht entspricht (Selbststigmatisierung).
  • ein generell negatives Körperbild sowie negative Körpergedanken (→ Ist Body Positivity nicht zu… positiv?).

Welche Folgen hat Diätkultur?

Dass diätkulturelle Glaubenssätze in ganz erheblichem Maß schädliche Konsequenzen haben, ist schon lange erwiesen. Diätkultur ist eine Form der Unterdrückung; Gewichtsdiskriminierung steht in ihren Folgen anderen Diskriminierungsformen wie etwa Rassismus in nichts nach [Link zu „Perceptions of Weight Discrimination: Prevalence and Comparison to Race and Gender Discrimination in America“].

Die Diätkultur glorifiziert den Gewichtsverlust, egal was er kostet (→ Glorifiziert Body Positivity Übergewicht?). Frauen, die in jungen Jahren restriktiv essen, bilden achtzehnmal häufiger eine Essstörung aus [Link zu „Onset of adolescent eating disorders“]. Essgestörtes Verhalten – etwa Mahlzeiten auslassen (Dinner-Cancelling), Sport als Kompensation für Essen, Kalorienreduktion bis in den Bereich des Verhungerns, das Vermeiden kompletter Nährstoffgruppen (Zucker, Kohlehydrate, Fett) -, das eigentlich als Warnzeichen erkannt werden müsste, ist in der Diätkultur normalisiert und wird sogar gefördert und empfohlen, auch von Ärzt_innen.

Viele Erkrankungen, die lange Zeit mit Mehrgewicht assoziiert wurden, sind zurückzuführen auf Gewichtsschwankungen (Jo-Jo-Effekt) durch Diäten, so etwa Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen (→ Wie Diäten dich dick und krank machen). Auch Body Shaming und Diskriminierung stellen massive Risikofaktoren für körperliche und psychische Erkrankungen und einen verfrühten Tod dar, viel mehr als ein stabil hohes Gewicht [Link zu „Weight Discrimination and Risk of Mortality“].

Nahezu alle langfristigen Diätstudien zeigen, dass mit dem manipulativen Gewichtsverlust das Sterblichkeitsrisiko steigt. | Zitat | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

Die Diätkultur kostet dich also eine ganze Menge, nämlich dein Leben (→ Warum Abnehmen dich dein Leben kostet). Nicht nur weil sie es verkürzt, sondern auch weil sie dich deiner Lebensfreude beraubt. Statt Genuss ist Essen für dich Stress. Treffen mit Freund_innen werden abgesagt, weil du dich in Gesellschaft vielleicht „nicht am Riemen reißen“ kannst. Jeder Gang vor die Tür kann zur Qual werden, wenn du glaubst, eine „optische Zumutung“ für andere zu sein (→ Wo sind all die Dicken hin? | Übergewicht im öffentlichen Raum). Körperliche Nähe und Sex sind vielleicht unaushaltbar (→ 6 Vorurteile über Curvy Sex, die du ab sofort vergessen kannst). Das alles kann zu Einsamkeit, Depressionen und Angsterkrankungen bis hin zu Suizidversuchen und -vollendungen führen.

Wer ist verantwortlich für die Diätkultur?

Die Diätkultur, das sind wir alle. Wir alle sind Produkt der Diätkultur und tragen dazu bei, sie aufrechtzuerhalten. Das machen wir selten bewusst. Vielmehr handelt sich bei der Diätkultur um ein System, das sich selbst reproduziert durch alles, was wir denken und tun.

Aber natürlich gibt es Akteur_innen innerhalb dieses Systems, die aktiv davon profitieren, zum Beispiel Industrien rund um Schönheits- und Diätprodukte, ein Multimilliardenmarkt. Hier besteht ein direktes Interesse, uns einem ständigen Fluss von Botschafen auszusetzen, die suggerieren, wir müssten einen bestimmten Körper haben, um glücklich oder erfolgreich zu sein. Das hält uns in einem Zustand der Unzufriedenheit, dem wir abhelfen wollen, indem wir Light-Produkte und Cellulitecremes kaufen.

Der größte Coup der Diätkultur ist vermutlich, dass sie uns davon überzeugt hat, dass die Ursachen für eine gescheiterte Diät bei uns selbst lägen. Während wir jeden Staubsauger, der 98 Prozent der Krümel nicht aufsaugt, reklamieren würden, kaufen wir immer und immer wieder Abnehmversprechen mit einer zweiprozentigen Erfolgsquote.

Ja, 98 Prozent der Diäten scheitern. Und dennoch denken 100 Prozent der Diätenden, sie würden zu den zwei Prozent gehören, bei denen es klappt. „Übergewicht ist ungesund“ und „Abnehmen macht gesund“ gelten als wahr, obwohl sie objektiv widerlegt sind: Diäten führen weder zu Gewichtsverlust noch zu Verbesserungen der Gesundheit [Link zu „Medicare’s search for effective obesity treatments: diets are not the answer“].

Auch wenn du gerade keine Diät machst, sitzt ein kleines Teufelchen auf deiner Schulter und mahnt: "Nicht so viel Zucker!", "Keine Chips zum Abendbrot!", "Aber nur eine Handvoll!", Hast du schon fünf Portionen Obst und Gemüse gegessen?" Dieses teufelchen heißt Diätmentalität und sorgt dafür, dass du sogar auf Diät bist, wenn du gar keine Diät machst. | Zitat | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

Dennoch wiederholen wir die „gefühlten Wahrheiten“ der Diätkultur, hören sie selbst an jeder Ecke und geben sie der nächsten Generation mit, wenn wir unseren Kindern genau das erzählen, was uns unsere Eltern schon erzählt haben. Mit den Anforderungen der Diätkultur machen wir gesunde Menschen krank und wähnen genau das als Bestätigung für unsere „gefühlte Wahrheit“.

Mit anderen Worten: Es ist kompliziert. Komplex. Verworren. Reziprok.

Wie merkst du, ob du Teil der Diätkultur bist?

Wenn du atmest und vor allem wenn du als Frau sozialisiert wurdest, bist du mit allergrößter Wahrscheinlichkeit aktiver Teil der Diätkultur. Es ist quasi unmöglich, ohne Diätkultur aufzuwachsen, denn ihre „gefühlten Wahrheiten“ sind gemeinhin akzeptiert.

Ein anderer Teil der Problematik ist, dass es schnell abstrakt, akademisch und theoretisch wird, wenn man über Diätkultur als soziokulturelles System aufklären will. In unserem alltäglichen Leben hingegen zeigt sich die Diätkultur oft so normalisiert oder auch subtil, dass wir verleitet sind zu denken: Das betrifft mich nicht.

Deshalb habe ich hier einige lebensnahe Fragen zusammengestellt, mit denen du herausfinden kannst, ob du Teil der Diätkultur bist:

  • Hast du schon mal versucht abzunehmen? Hast du Angst zuzunehmen?
  • Wolltest du durch Gewichtsverlust deine Gesundheit verbessern?
  • Denkst du, dicke Menschen sind an ihrem Gewicht selbst schuld? Kann man sein Gewicht mit Essen, Sport und Disziplin selbst bestimmen?
  • Ekelst du dich vor dicken Körpern (auch vor deinem eigenen)?
  • Rechtfertigst du Essen manchmal mit „Ich habe ja den ganzen Tag so wenig gegessen“ oder „Ich habe mich ja viel bewegt“?
  • Hast du schon mal „Ab morgen… mache ich Diät / esse nie wieder Süßigkeiten“ gesagt?
  • Denkst du, dein Leben wird besser oder geht erst richtig los, wenn du schlank bist?
  • Hast du schon mal einen „nicht-idealen“ Körper negativ bewertet, auch deinen eigenen? Zum Beispiel: „Mit der Figur würde ich aber keinen Bikini tragen“, „Ich bekomme bestimmt Diabetes, weil ich dick bin“, „Das Kleid tut nichts für sie“, „Sie ist sehr mutig, sich so zu zeigen“, „Ich trage etwas Weites, damit man meinen Bauch nicht sieht“, „Wie hat die mit dem Körper nur so einen attraktiven Kerl abbekommen?“, „Klar bin ich mit meinem dicken Körper nicht so sportlich“, „He he, seine neue Freundin ist viel fetter als ich“, „Das dicke Kind wird es mal schwerhaben“ „Mich wird nie jemand lieben, weil ich so dick bin!“
  • Hast du schon mal jemandem zu Gewichtsverlust gratuliert?
  • Hattest du schon mal ein schlechtes Gewissen nach dem Essen?
  • Gibt es Lebensmittel, die du versuchst, nicht oder in sehr geringen Mengen zu essen, weil du sie für ungesund hältst oder sie dich dicker machen könnten?

Dies ist natürlich nur eine kleiner Ausschnitt dessen, wie sich die Diätkultur in unserem täglichen Leben bemerkbar macht. Aber wenn du auch nur eine dieser Fragen mit ja beantwortet hast, dann bist auch du Teil der Diätkultur und natürlich all ihrer negativen Konsequenzen für dich und alle anderen Menschen. Was nun?

Du musst dich den Regeln der Diätkultur nicht unterordnen. | Zitat | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

Wie kannst du aus dem Teufelskreis der Diätkultur aussteigen?

Das alles klingt ziemlich hoffnungslos; die Diätkultur wird uns ja quasi schon mit der Muttermilch mitgegeben. Aber ich verrate dir eine tröstliche und unumstößliche Wahrheit, deren lebender Beweis ich bin (und viele, viele andere Frauen): Du musst dich den Regeln der Diätkultur nicht unterordnen. Auch wenn sie dir bis hierhin viel geraubt hat, kannst du dein Leben jetzt zurückerobern.

Um diätkulturelle Glaubenssätze aus deinem Kopf zu streichen, ist es wichtig, dass du ehrlich zu dir selbst bist – aber auch nachsichtig (→ Sei lieb zu dir!). Es ist nicht deine Schuld, dass du die Lügen der Diätkultur geglaubt hast. Das haben wir alle. Und wir alle haben sie weiterverbreitet, weil es die einzige Wahrheit war, die wir kannten. Die Diätkultur ist kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches.

Wenn also das nächste Mal Gewicht oder Aussehen thematisiert werden – sei es im Freund_innenkreis, in der Familie oder in den Medien -, tritt einen Schritt zurück und frag dich, wie du dich dabei fühlst. Und dann überlege, welches Gefühl du in Zukunft haben möchtest.

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Möchtest du dein Lebensglück von einer Zahl auf der Waage abhängig machen? Denkst du, es ist möglich, zufrieden zu sein, auch wenn du den gesellschaftlichen Ansprüchen nicht genügst? Was bedeutet Wohlbefinden für dich? Wenn du bereit bist, deine Bedürfnisse zu erkunden und falsche Glaubenssätze aufzulösen, kannst du wirklich gesunde Entscheidungen für dich treffen (→ Body-positiv leben: Negative Glaubenssätze erkennen und auflösen).

  • Informiere dich über Diätkultur, ihre misogynen und rassistischen Hintergründe und Gegenkonzepte wie Body Positivity und Fat Liberation, indem du zum Beispiel auf die weiterführenden Links in diesem Artikel klickst (→ Inspirierende Bücher über Body Positivity zum Lernen und Wohlfühlen).
  • Erkenne an, dass Gewicht keine persönliche Entscheidung ist. Vielmehr ist es das Ergebnis des Zusammenspiels von in erster Linie genetischen sowie soziokulturellen, soziökonomischen und psychologischen Faktoren (→ Warum werden wir dick?).
  • Erkenne an, dass Schlankheit nicht Gesundheit ist (→ Verursacht Mehrgewicht Krankheiten?).
  • Lass deinen Abnehmwunsch los. Entsorge deine Waage und verabschiede dich vom BMI. Befasse dich stattdessen mit wirklich gesundheitsfördernden und gewichtsneutralen Ansätzen wie Health At Every Size und Intuitivem Essen.
  • Heile dein Verhältnis zum Essen.
  • Vermeide – soweit es dir möglich ist – Medien und Menschen, die dir das Gefühl geben, nicht genug zu sein (→ Warum du dicke Heldinnen brauchst).
  • Hör auf, andere und dich selbst zu bodyshamen und Körper miteinander zu vergleichen (→ Was Body Shaming bedeutet und was du dagegen tun kannst).
  • Nimm therapeutische Hilfe an, wenn du merkst, dass tiefsitzende Verletzungen aufgearbeitet werden müssen oder wenn du das Gefühl hast, dass du „einfach nicht vorankommst“.

Das klingt ziemlich mühselig und anstrengend, oder? Ich werde dich – anders als die Diätkultur – nicht belügen: Es ist mühselig und anstrengend. Aber du darfst den Lohn für diese Mühen nicht aus den Augen verlieren: Du bekommst dein Leben zurück.

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Titelfoto: Jimmy Dean
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Mehrgewicht und sein Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit ist ein komplexes Thema. In einem Artikel können diese hochwissenschaftlichen Themen natürlich nicht komplett aufgedröselt werden, zumal es stetig neue Erkenntnisse gibt. Dieser Artikel erhebt also keinen Anspruch auf abschließende Klärung, sondern beschäftigt sich lediglich mit einem Teil der Materie.
Um die Lücke zu schließen, widmet sich Marshmallow Mädchen regelmäßig der journalistisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung von Themen rund um Mehrgewicht und Body Positivity. Alle Artikel mit wissenschaftlichem Faktencheck findest du unter Fette Fakten.