Body-positiver Sport: Die Angst vor dem Fitnessstudio überwinden

Die Angst vor dem Fitnessstudio überwinden


Gesundes Leben

Der Gang ins Fitnessstudio kann vor allem Menschen, die Probleme mit ihrem Körperbild haben, richtiggehend Angst einjagen. Vom Probetraining über den Gerätepark, die Kurse und die Umkleidekabine bis hin zu den Trainern und den anderen Mitgliedern gibt es viele Erfahrungen, die überfordern können. In diesem Artikel findest du Tipps, wie du die Angst vor dem Fitnessstudio überwinden kannst.

Der Gang ins Fitnessstudio kann vor allem Menschen, die Probleme mit ihrem Körperbild haben, richtiggehend Angst einjagen. Vom Probetraining über den Gerätepark, die Kurse und die Umkleidekabine bis hin zu den Trainern und den anderen Mitgliedern gibt es viele Erfahrungen, die überfordern können. In diesem Artikel findest du Tipps, wie du die Angst vor dem Fitnessstudio überwinden kannst.

Angst vor dem Fitnessstudio: Das Probetraining

Deine erste Begegnung mit dem Fitnessstudio muss nicht direkt das Probetraining sein (→ 7 Ideen, wie du die Freude an Bewegung (wieder)entdeckst). Du kannst dir auch einen Termin geben lassen, um dir das Angebot ganz unverbindlich zeigen zu lassen. Dann begleitet dich ein Trainer durchs Studio und erkärt dir, was es so alles gibt.

Bei dieser Gelegenheit solltest du deinem Bauchgefühl besondere Beachtung schenken: Wie ist dein Eindruck von diesem Sportstudio? Kannst du dir vorstellen, dich hier wohlzufühlen? Gefällt dir die "Trainingsmentalität" (Muckibude vs. Wellnesstempel)? Sprechen dich die Trainingsangebote an, gibt es Kurse, die für Anfänger geeignet sind?

Schau dich auch um, welche Menschen dort trainieren. Wenn du Probleme mit deinem Körperbild hast und dich schnell beobachtet und verunsichert fühlst, ist eine Umgebung, die Wohlbefinden und Gesundheitsfürsorge in den Vordergrund stellt, sicherlich besser für dich geeignet, als eine, in der es vorranging um "Ästhetik" und Leistung geht. Verschiedene Körper- und Alterstypen sind ein gutes Zeichen dafür, dass du dich ohne Druck in die Gemeinschaft des Fitnessstudios einfügen können wirst (→ 3 einfache Übungen, um dein Selbstbewusstsein zu stärken).

Angst vor dem Fitnessstudio: Die Trainer

Trainer können schon ein wenig beängstigend sein. Schließlich sind sie von Beruf Sport - und du fühlst dich eventuell sehr unsportlich und verunsichert. Vielleicht hast du sogar ein schlechtes Gewissen, weil du nie Sport getrieben hast.

Erst einmal: Niemand muss Sport machen. Niemand ist ein besserer Mensch, nur weil er sportlich ist - oder ein schlechterer, weil ihm Sport nicht liegt.

Trainer sind in erster Linie Dienstleister. Das bedeutet, dass der jeweilige Trainer sich auf deine Wünsche und Bedürfnisse einstellen muss. Er kann dir natürlich Tipps aus seinem Erfahrungsschatz geben, aber letztlich entscheidest du, welche davon du annehmen möchtest (→ Sei dein eigener Standard).

Nutze das Wissen der Trainer und lass dir die Geräte und Abläufe gut erklären.

Angst vor dem Fitnessstudio: Der Gerätepark

Eine fachkundige Einführung ist das A und O beim Sporteln mit Geräten. Ein Trainer stellt dir in der Regel einen auf dich zugeschnittenen Trainingsplan zusammen.

Wenn der Trainer verschiedene Gewichtseinstellungen an den Geräten mit dir durchgeht, halte dein Ego in Zaum. Wähle Gewichte, die du leicht stemmen kannst; mit der zwanzigsten Wiederholung wird nämlich auch das anstrengend. Der Trainer verurteilt dich nicht, wenn du ein niedrigeres Gewicht wählst.

Ein Trainingsplan ist ein guter Einstieg ins Krafttraining. Allerdings kann es dir passieren, dass du nach einer Weile feststellst, dass dir bestimmte Elemente keinen Spaß machen - oder dass dir gar Krafttraining an sich nicht gefällt. Du darfst jederzeit darauf verzichten. Nur weil irgendwer sagt, Sport sei so und so zu machen ("am effektivsten"), musst du dich nicht daran halten. Du machst es so, wie es dir Freude bereitet und guttut (→ Body-positiv mit Sport anfangen: Wie du mit Übergewicht den Einstieg schaffst).

Angst vor dem Fitnessstudio: Die Kurse

Vor allem Kurse können dich Überwindung kosten, wenn du Probleme mit deinem Körperbild hast und deshalb selbstunsicher bist. Dort gibt es potentiell viele Menschen, die dich beobachten und bewerten könnten, wenn du eine Übung nicht schaffst oder Pause machst. (→ Hast du schon den Selbstbewusstseinsbooster probiert?)

Und du wirst manche Dinge nicht können; du wirst Pausen brauchen. Das ist vollkommen normal, nicht nur für Sportanfänger. Es ist ein Zeichen der Selbstfürsorge, wenn du auf deinen Körper hörst. Du hast den Sinn von sportlicher Betätigung wirklich verinnerlicht, wenn du dich nicht in eine Übung quälst, sondern deine Grenze in diesem Moment akzeptierst.

Für alles im Sport gibt es Variationen. Das kann man schon mal vergessen, weil die meisten Sportkurse für eine Gruppe auf bestimmte Art und Weise befähigter Menschen ausgelegt sind; die größte Schnittmenge sozusagen. Aber wirklich alle stolpern über Übungen, die sie aus körperlichen Gründen nicht machen können.

Wenn dir das passiert, scheu dich nicht, eine solche Übung auszulassen. Lass dir Variationen von deinem Trainer erklären (auch nach dem Kurs in aller Ruhe) oder recherchiere im Internet und in Büchern nach Varianten, die den Bedürfnissen und Fähigkeiten deines Körpers entsprechen.

Wenn es dir möglich ist, kannst du vormittags ins Fitnessstudio gehen. Dann sind viele ältere Menschen da, die sich verstärkt nach ihren körperlichen Befindlichkeiten richten (müssen). Auch sind die Kurse an Vormittagen meist sanfter ausgerichtet.

Angst vor dem Fitnessstudio: Die anderen Mitglieder

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die größte Hürde beim Gang ins Fitnessstudio sind die anderen Mitglieder; die Angst davor, von ihnen beobachtet, bewertet oder ausgelacht zu werden (→ Wo sind all die Dicken hin? | Übergewicht im öffentlichen Raum).

Bitte schäme dich nicht für diese Ängste, denn sie sind aufgrund deiner emotionalen Historie berechtigt (→ Alle Gefühle sind okay – Wie du mit negativen Gefühlen umgehen kannst). Womöglich hast du sehr negative Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht, gerade in Bezug auf deinen Körper.

Tatsächlich ist es allerdings so, dass der Großteil der Menschen sich nicht für dich interessiert. Du fällst ihnen in den meisten Fällen gar nicht auf und wenn doch, dann denken sie nicht lange über dich nach. Wir Menschen sind so sehr in unsere eigene innere Welt verstrickt, dass wir oft wenig Sinn für Äußeres haben.

Das bedeutet nicht, dass es nicht eben auch Ausnahmen gibt (→ Wie man mit Beleidigungen (Fat-Shaming) umgeht). Aber in der Regel verstehen Fitnessstudios - vor allem solche, die auf Wohlbefinden und Gesundheit ausgelegt sind - keinen Spaß bei Body Shaming (→ Was ist Body Shaming?). Sollte dich also tatsächlich mal jemand dumm anmachen, melde es sofort einem Trainer. Du hast im Sportstudio mächtige Verbündete.

In erster Linie machst du Sport für dich. Die anderen Mitglieder sind also lediglich Nebendarsteller deiner eigenen Geschichte. Mit der Zeit wirst du mit anderen ins Gespräch kommen. Sie werden dich als gleichwertigen Sportskollegen wahrnehmen, unabhängig davon, wie viel du wiegst oder wie "sportlich" du bist (→ Ja, ich habe schon mal Pilates gemacht).

Angst vor dem Fitnessstudio: Die Umkleidekabine

Es gibt zahlreiche Menschen, die nicht im Sportstudio duschen oder sich dort umziehen. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du das so handhaben willst.

Aber die Umkleide im Fitnessstudio kann dir auch dabei helfen, eine positivere Einstellung deinem Körper gegenüber zu kultivieren (→ Was ist Body Positivity?). Oftmals glauben wir, alle sähen "besser" aus als wir. Wir seien die einzigen, die Schwabbelstellen, Dehnungsstreifen und Cellulite hätten (→ Verursacht Übergewicht Cellulite?). Die Umkleide belehrt dich eines Besseren: Alle Frauen, auch die schlanken und sportlichen, sehen nicht so aus, wie die überperfekten Models in den Zeitschriften (→ Gefängnis der Schönheitsideale).

Wenn du dich an das Experiment Umkleidekabine - an das Experiment Fitnessstudio im Allgemeinen - heranwagen willst, kann es hilfreich sein, wenn du zunächst zu Zeiten hingehst, zu denen es nicht voll ist, zum Beispiel vormittags oder mittags. Auch wenn du nach einem Kurs noch ein paar Minuten verstreichen lässt (beispielsweise mit Dehnübungen), ist die Umkleidekabine leerer. Womöglich bist du dann sogar ganz alleine dort und kannst den Gang unter die Dusche wagen.

Was macht dir an Sportstudios Angst? Mit welchen Tricks hast du die Angst vor dem Fitnessstudio überwunden? Diskutier mit ↓

Titelfoto: Danielle Cerullo on Unsplash

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