Wie du aufhörst, dich ständig beobachtet zu fühlen

Gastbeitrag von Iris Liedtke, XXL-Lifecoach

Jede von uns kennt es und jede von uns hasst es: dieses ungute Kribbeln im Rücken, das Gefühl, beobachtet und bewertet zu werden. Ich verrate dir drei Tipps, mit denen du aufhörst, dich ständig beobachtet zu fühlen.

Jede von uns kennt es und jede von uns hasst es: dieses ungute Kribbeln im Rücken, das Gefühl, beobachtet und bewertet zu werden. Ich verrate dir drei Tipps, mit denen du aufhörst, dich ständig beobachtet zu fühlen.

Ich glaube, ich renne hier offene Türen ein, wenn ich behaupte: Die meisten Schwierigkeiten, denen wir gegenüberstehen, kommen aus der Gesellschaft. Wir haben gar nicht so sehr ein Problem mit uns selbst. Vielmehr haben wir ein Problem damit, wie unsere Mitmenschen auf uns reagieren und uns behandeln (→ 5 Gründe, warum wir mit Body Shaming aufhören müssen).

Das Gefühl, beobachtet zu werden

So wird jeder fremde Mensch von uns mit Misstrauen beäugt, auch wenn er uns gar nichts Böses will. Wir handeln in diesem Moment ganz natürlich aus unseren Erfahrungen heraus.

Jedes Schmunzeln nehmen wir als uns gegenüber negativ auf. Obwohl es gut und gerne sein könnte, dass wir gar nicht gemeint waren, können wir erst recht nicht glauben, dass es vielleicht ein positives Schmunzeln war. Nein, es kann nur negativ gemeint gewesen sein!

Jeder Blick, der uns trifft, wird als abwertend oder mitleidig empfunden. Ein Tuscheln in unserer Nähe, ja, um wen geht es da? Bestimmt um uns! Die machen sich lustig!

Das Gefühl entspringt unseren Ängsten

Natürlich gibt es Abwertungen in unsere Richtung wirklich. Jede von uns hat sich sicherlich schon einiges anhören müssen, ich ebenso. Trotzdem sollten wir uns bewusst machen, dass ein großer Teil davon nur unseren Ängsten entspringt und nicht real ist.

Deinem Kopf ist das vielleicht sogar schon bewusst, aber trotzdem wirst du dieses ungute Gefühl nicht los. Für einige kann es so weit gehen, dass sie am liebsten unsichtbar sein würden und sich kaum noch unter Menschen trauen (→ Wo sind all die Dicken hin? | Übergewicht im öffentlichen Raum).

Wir können andere nicht ändern

Und natürlich kennen wir alle Mitmenschen, die unsere Ängste nicht nachvollziehen können. Es kommen dann Sprüche wie:

„Stell Dich nicht so an!“
„Achte einfach nicht darauf!“
„Sei doch mal ein bisschen selbstbewusster!“

Als wenn man seine Gefühle und Ängste auf Knopfdruck abschalten könnte (→ Alle Gefühle sind okay – Wie du mit negativen Gefühlen umgehen kannst).

Leider haben wir keinen Einfluss auf das Verhalten unserer Mitmenschen. Da wir die anderen nicht ändern können, müssen wir bei uns selbst anfangen.

Wie kommst du also aus diesem Kreislauf heraus? Dazu habe ich drei Tipps für dich:

Jede von uns kennt es und jede von uns hasst es: dieses ungute Kribbeln im Rücken, das Gefühl, beobachtet und bewertet zu werden. Ich verrate dir drei Tipps, mit denen du aufhörst, dich ständig beobachtet zu fühlen.

Tipp 1: Lerne deinen inneren Bodyguard kennen

Während unser Verstand lernt, indem er Daten und Fakten nüchtern sammelt, speichert unser Unterbewusstsein Emotionen, Eindrücke und Erfahrungen ab. Daraus erstellt es eine Art Wissensdatenbank (→ Body-positiv leben: Negative Glaubenssätze erkennen und auflösen).

In uns gibt es eine innere Instanz – sozusagen unser Bodyguard -, die nichts anderes will, als uns zu beschützen. Wenn wir uns also in einer Situation befinden, zu der dieser innere Bodyguard negative Informationen gespeichert hat, dann lässt er uns Ängste und Sorgen empfinden. So will er uns warnen und schützen, damit wir nicht noch einmal eine schmerzvolle Erfahrung machen müssen.

Angst ist also nichts anderes als die Erwartung eines Schmerzes in der Zukunft. So passiert es, dass wir uns schon unsicher und gehemmt fühlen, bevor wie überhaupt unter Menschen gehen.

Du hast dich beispielsweise für ein Event gestylt. Im Grunde bist du zufrieden mit dem, was du siehst. Trotzdem hast du diese kleine fiese Stimme im Hinterkopf, die dir sagt, dass du nicht gut genug bist (→ Selbstwertgefühl stärken bei Übergewicht – 3 Tipps).

Dein Unterbewusstsein ist also gerade dabei, dir alle möglichen Argumente zu liefern, damit du dich nicht in eine möglicherweise schmerzhafte Situation begibst.

Tipp 2: Konzentrier dich auf dich

Dein innerer Bodyguard ist vielleicht hinderlich, aber an sich nichts Schlechtes. In solchen Momenten ist es wichtig, dass du dich ganz bewusst von ihm weg auf dich selbst konzentrierst (→ Was ist Selbstliebe? – Eine Definition).

Fokussiere dich auf etwas, das du an dir gut findest: deine Augen, deine Stupsnase, dein Kleidungsgeschmack, deine Frisur, dein liebenswerter Charakter. Putsche dich mit positiven Gedanken auf.

Schließlich lernt dein innerer Bodyguard über deine Gefühle. Lass ihn also so viele positive Gefühle über dich erleben wie irgendwie möglich. Und das so oft und so intensiv, wie es überhaupt geht (→ Body-positiv leben: Negative Glaubenssätze erkennen und auflösen).

Du bist gut und wertvoll und liebenswert, so wie du bist – und das muss er begreifen!

Tipp 3: Hör auf zu bewerten

Dein Unterbewusstsein geht wie selbstverständlich davon aus, dass das, was wir selbst tun, auch alle anderen tun. Wenn wir selbst aufhören zu bewerten, dann fühlen wir uns auch nicht bewertet und damit auch nicht ständig beobachtet (→ Body Positivity lernen: Body-positiv in 3 Schritten).

Die Wahrheit ist: Die meisten Menschen schauen dich drei Sekunden lang an und in zehn haben sie dich schon wieder vergessen. Denn jede_r ist in erster Linie mit sich selbst und den eigenen Baustellen beschäftigt.

Jedes Vergleichen mit anderen ist eine Bewertung. Damit bewerten wir aber nicht nur den anderen, sondern auch uns selbst. Übe dich darin, Menschen zu sehen und – nur das! Nimm sie mit ihren optischen Gegebenheiten zur Kenntnis, aber bewerte nicht (→ Fette Frauen, vereinigt euch!).

Du hast ein Recht auf ein glückliches und freies Leben

Das alles sind Lernprozesse. Es funktioniert nicht von jetzt auf gleich. Aber es gibt mächtige Tools und Techniken, um den inneren Bodyguard „umzuerziehen“. Meine drei Tipps für dich sind erste Schritte.

Wir Dicke haben ein Recht auf ein glückliches und freies Leben. Und wir sind viele. Machen wir uns also auch bewusst, dass wir, wenn wir endlich selbstbewusst für uns eintreten, unsere Lobby in der Gesellschaft nachhaltig verändern können (→ Warum wir das Schönheitsideal überwinden müssen).

Porträt Iris Liedtke - XXL Lifecoach

Ich bin Iris Liedtke, XXL-Lifecoach. Mein Herzensanliegen ist es, dicken Menschen zu einem gesunden Selbstbild zu helfen, sodass sie ein starkes Selbstvertrauen, ein umfassendes Selbstbewusstsein und tiefe Selbstliebe entwickeln können. Durch spezielle Tools und Techniken unterstütze ich sie dabei, ihre ganz persönlichen Ziele zu erreichen.

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Titelfoto: Gratisography
Porträt Iris Liedtke: mio_lxy

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