Plus-Size-Models und Fashion-Bloggerinnen machen es vor: Mehrgewichtige Frauen wollen hübsche und trendige Mode in großen Größen. Doch die Läden in den Einkaufsstraßen sind diesbezüglich meistens eine Enttäuschung. Marshmallow Mädchen verrät dir, wo du schicke Mode in großen Größen shoppen kannst.

Das Wichtigste auf einen Blick:
- Plus-Size-Models und Fashion-Bloggerinnen zeigen, dass Mode in großen Größen wichtig und repräsentativ ist.
- Der Mangel an schöner Mode in großen Größen war lange Zeit ein Problem, doch immer mehr Marken erkennen die Bedürfnisse dieser Zielgruppe.
- Im Internet gibt es mittlerweile eine steigende Anzahl von Anbietern für Mode in großen Größen.
- In Marshmallow Mädchens Mode-Finder kannst du handverlesene spezialisierte Plus-Size-Shops für Mode bis Größe 68+ entdecken – für jeden Stil und jeden Anlass.
- Mode soll Spaß machen und deine Persönlichkeit unterstreichen, ganz unabhängig von deiner Konfektionsgröße.
Modisch auch in großen Größen?
Ein erster Schritt auf dem Weg hin zum eigenen Modestil mit großer Konfektionsgröße ist natürlich, das nötige Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufzubauen, um schicke und vielleicht sogar auffällige Kleidung in der Öffentlichkeit zu tragen. Gerade dicken Frauen wurde oft ihr ganzes Leben lang vermittelt, sie müssten sich für ihren Körper schämen und ihn verhüllen (→ Wie wird man eigentlich selbstbewusst, wenn man dick ist?). Uns wurde eingeredet, dass bestimmte Farben, Muster oder Schnitte „unvorteilhaft“ seien – ein diätkulturelles Konzept, das uns vorschreiben will, wie viel Raum wir einnehmen dürfen.
Doch mittlerweile gibt es viele Vorbilder, die beweisen, dass mehrgewichtige Frauen sich nicht verstecken müssen – und sollten (→ 7 inspirierende deutsche Plus-Size-Bloggerinnen). Auch ich habe lange Zeit einfach nur getragen, was ich Passendes gefunden habe, möglichst dunkel und weit. Heute erfreue ich mich an abwechslungsreicher Bekleidung, bunten Farben und femininen Schnitten (→ Wie ich meinen kompletten Kleiderschrank ausräumte und mir einen vollkommen neuen Stil zulegte).
Sobald Lust und Selbstbewusstsein da sind, taucht aber schon das nächste Problem auf: Wo bekomme ich hübsche Mode in großen Größen überhaupt her?
Warum Mode für dicke Frauen wichtig ist
Kleider machen Leute, heißt es im Volksmund. Und es stimmt: Mode vermittelt ein Image und hat eine Wirkung auf unsere Umwelt. Mit den richtigen Klamotten kannst du deine Persönlichkeit unterstreichen. Mode kann Spaß machen oder einfach Mittel zum Zweck sein (→ 10 Tipps, wie du deine Vorzüge betonen kannst).
Gesellschaftlich wird von dicken Menschen oft immer noch verlangt, sich zu verhüllen und möglichst weite, dunkle Klamotten zu tragen – um am besten unsichtbar zu sein (→ Wo sind all die Dicken hin? | Übergewicht im öffentlichen Raum). Ein solcher „Modestil“ unterminiert dein Selbstwertgefühl aber noch weiter, wenn es eben nicht dein Modestil ist, sondern eine Bestrafung für deine Körperform. Es ist eben auch psychischer Ballast, sich täglich in Kleidung zu zwängen, die signalisiert: „Bitte sieh mich nicht an.“
Bis in die 2010er hinein hattest du als dicker Mensch allerdings kaum eine andere Wahl. Denn es gab schlicht und ergreifend kaum Bekleidung, die über eine Größe 48 hinausgeht. Frauen mit großen Konfektionsgrößen hatten buchstäblich nichts zum Anziehen. Die Aufforderung an Dicke, „doch mal etwas aus sich zu machen“, ist im Lichte der Weigerung, Kleidung für sie herzustellen, einfach nur höhnisch (→ Die unsichtbare Plus-Size-Kundin).
Kleider machen Leute – auch in XXL
Doch immer mehr Firmen erkennen den (wirtschaftlichen) Wert der Frauen, die die Mehrheit der Kleidergrößen tragen. Der Trend zur Plus-Size-Kollektion schwappt allmählich vor allem aus den USA und Großbritannien zu uns herüber. Die Palette der Standardgrößen wird erweitert und gleichzeitig eröffnen immer mehr Fachgeschäfte für Größen jenseits der 48.
In den Fußgängerzonen sucht man sie allerdings noch immer vergeblich. Doch das Internet hat sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem Tummelplatz für Anbieter von Plus-Size-Mode entwickelt. Das Angebot beinhaltet zwar immer noch nur einen Bruchteil von dem, was schlanken Menschen angeboten wird. Doch es gibt eine solide Auswahl an Mode in großen Größen, die dir erlaubt, deinen ganz eigenen Stil zu entdecken (→ 5 Tipps, wie du zur Plus-Size-Fashionista wirst).
Hilfreich dabei ist auch, dass Landesgrenzen immer weniger eine Rolle spielen. Größere Anbieter aus den USA, Großbritannien oder auch China verschicken zu moderaten Versandpreisen (auf eventuell anfallende Zollgebühren achten). Doch Frauen mit großen Konfektionsgrößen wünschen sich zunehmend lokale oder fair gehandelte Mode aus umweltverträglichen Materialien (→ Fett und Fast Fashion). Es ist also noch viel Luft nach oben auf dem Plus-Size-Modemarkt, besonders im Bereich der Slow Fashion und dem Segment der Kleidung ab Größe 60.






So findest du Mode in großen Größen
Wo findest du jetzt also hübsche Mode in großen Größen? Es gibt ein paar „alte Hasen“ in der Plus-Size-Branche, deren Namen du wahrscheinlich kennst, etwa Bonprix, Sheego oder Ulla Popken. In ihrem Windschatten entsteht ein großer Markt von Unternehmen, die sich auf Damenmode in großen Größen spezialisieren. Es kommen stetig interessante Designer:innen und Labels hinzu, die verstanden haben, dass Stil keine Konfektionsgröße kennt.
Weil sie vor allem online vertreten sind, kannst du gut nach Mode für große Größen googeln. Um dir die Suche zu erleichtern, findest du in Marshmallow Mädchens Mode-Finder eine umfangreiche Übersicht handverlesener Plus-Size-Shops. Neben Kleidung bis Größe 68+ kannst du dort auch nach BHs mit großem Unterbrustumfang und/oder großen Cups sowie weiten Schuhen für breite Füße und Waden suchen.
Mit einer großen Konfektionsgröße ist es auf jeden Fall mühsamer, passenden Kleidung zu finden. Aber wenn du erst einmal die Anbieter ausfinding gemacht hast, die dich mit deinem Stil und deinen Wohlfühlklamotten versorgen, wird es einfacher. Dann kann auch das Entdecken neuer Plus-Size-Shops eine Freude sein – und nicht wie bisher eine fruchtlose Qual.
Dein Kleiderschrank, deine Regeln – Schluss mit der modischen Diätkultur
Sich auf die Suche nach passender Kleidung zu machen, kann mit einer großen Konfektionsgröße verdammt mühsam sein. Oft ist der Weg zu einem glücklichen Einkaufserlebnis gepflastert mit Umkleidekabinen-Frust und manchmal sogar Tränen. Aber lass dir eines gesagt sein: Nicht dein Körper ist falsch, sondern das Größensystem der Modewelt. Wenn die Hose nicht passt, ist das kein moralisches Versagen deinerseits, sondern einfach ein schlecht geschnittenes Stück Stoff. Aufgabe von Kleidung ist es schließlich, dir zu passen, nicht, dass du dich an sie anpassen musst.
Sobald du erst einmal die Anbieter ausfindig gemacht hast, die dich mit deinem individuellen Stil und echten Wohlfühlklamotten versorgen, wird es schrittweise einfacher. Dann verliert das Shopping etwas seinen Schrecken. Das Entdecken neuer Plus-Size-Shops darf zu einer Freude werden – und muss nicht wie bisher eine fruchtlose Qual bleiben.
Lerne mit der Zeit auch, dich von den ungeschriebenen Regeln der Diätkultur zu lösen. Wenn du Lust auf neonfarbene Crop-Tops, figurbetonte Kleider oder wilde Muster hast, dann trage sie. Dein Körper muss nicht optisch „gestreckt“ oder „vorteilhaft verpackt“ werden, um eine Daseinsberechtigung im öffentlichen Raum zu haben (→ Übergewicht im öffentlichen Raum: Wo sind all die Dicken hin?). Mode ist kein Werkzeug zur Schadensbegrenzung, sondern ein Ausdruck deiner Lebensfreude. Zieh an, was dich strahlen lässt – denn du bist es wert, gesehen zu werden. Genau so, wie du jetzt bist.

Titelfoto: Chelsey Hendricks (Symbolbild mit Model)












