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5 Strategien gegen Body Shaming durch Eltern

Wenn deine Eltern und Familienmitglieder Body-Shamer:innen sind, also deinen Körper herabwürdigend bewerten, dann ist das verletzend. Von unserer Familie erwarten wir Unterstützung; ihre Ablehnung ist besonders schmerzhaft. Aufgrund unseres komplexen Verhältnisses zu ihr ist es oft schwierig, mit kränkenden Kommentaren umzugehen. Marshmallow Mädchen stellt dir fünf Strategien gegen Body Shaming durch Eltern und Familie vor.

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Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Body Shaming durch Eltern verletzt und ist oft ein Tabuthema. Viele fühlen sich dadurch emotional belastet.
  • Fünf Strategien helfen, besser mit Body Shaming umzugehen: Ignorieren, Antworten, Aufklären, Spiegeln und Gehen.
  • Zur Selbstfürsorge ist es wichtig, Grenzen zu setzen und sich von toxischen Beziehungen zu distanzieren.
  • Eltern verstehen häufig nicht, welchen Schaden ihre Kommentare verursachen, daher ist Aufklärung entscheidend.
  • Dein Körper ist dein Zuhause; du hast das Recht, selbst zu bestimmen, wer ihn bewertet.

Es kommt nicht selten vor, aber kaum jemand spricht offen darüber: Body Shaming durch die eigenen Eltern oder andere Familienmitglieder (→ Body Shaming durch Eltern) gehört für viele mehrgewichtige Menschen zum Alltag. Die Besuche bei den erwansten werden dadurch schnell zu einem psychischen Spießrutenlauf. Herablassende Kommentare über dein Aussehen oder dein Essverhalten dominieren die Tischgespräche beim Familienbesuch.

Die verflochtene Beziehung, die du zu deinen Eltern und deiner Familie hast, erschwert es dir zusätzlich, konsequent Grenzen zu setzen und auf ihr Body Shaming zu reagieren. Es ist also ratsam, dir vor dem nächsten Kontakt schon zu überlegen – und gegebenenfalls auch gedanklich zu üben -, wie du reagieren möchtest. Wir schauen uns deshalb fünf konkrete Wege an, um mit den verletzenden Aussagen umzugehen und die Körperakzeptanz in deiner Familie langfristig einzufordern.

1. Ignorieren – Body Shaming durch Eltern nicht annehmen

Eine Möglichkeit, um auf Body Shaming durch deine Familie zu reagieren, ist, das Gesagte gar nicht erst anzunehmen und in dein Herz zu lassen. Diese Technik funktioniert besonders gut bei Verwandten, die gerne mal spitze Bemerkungen „aus Versehen“ ablassen oder in inhaltlichen Diskussionen zur schnellen Eskalation neigen. Vorteil bei dieser Gruppe Familienmitgliedern: Bietest du ihnen keine emotionale Angriffsfläche, läuft sich ihr Verhalten oft von alleine tot.

Wenn deine Mutter also etwas sagt wie „Das Kleid kannst du mit deiner Figur aber nicht tragen“ oder „Weißt du, wie viele Kalorien das hat?“ (→ 4 Wege, um Food-Shaming am Familientisch zu stoppen), darfst du innerlich die Augen verdrehen, musst den Diättalk jedoch nicht annehmen. Zeige nach außen keine sichtbare Reaktion auf das Body und Food Shaming.

Noch deutlicher machst du deine klare Haltung, wenn du dich nach einer solchen Bemerkung wortlos umdrehst und gehst oder dich kommentarlos einer anderen Gesprächspartner:in zuwendest. Ein radikaler Themenwechsel signalisiert: Dieser Raum steht für Übergriffigkeit nicht zur Verfügung. Manchmal reicht dies schon, um deinen body-shamenden Eltern ihre Grenzen aufzuzeigen.

2. Antworten – Den Umgang mit Body Shaming durch Eltern aktiv gestalten

Body-Shaming-Aussagen von Eltern stetig zu ignorieren, kann allerdings unter Umständen dazu führen, dass sie meinen, sie müssten dir gegenüber noch lauter und deutlicher werden. Auf diese Weise wird das zugrundeliegende Problem letztlich nur verschlimmert.

In einem solchen Fall tust du gut daran, direkt auf das Body Shaming zu reagieren, ohne feindlich oder aggressiv zu wirken (→ Fat Shaming: Smarte Strategien, wie du mit Beleidigungen umgehen kannst). Das schaffst du am besten, indem du nachvollziehst, warum deine Eltern es überhaupt wichtig finden, deinen Körper zu kommentieren. Meistens spielt teif sitzende Besorgnis eine Rolle – wenn auch auf die ungeschickteste und verletzendste Art und Weise ausgedrückt -, denn deine Eltern sind mit denselben internalisierten Vorurteilen und dickenfeindlichen Mythen aufgewachsen wie du (wahrscheinlich in ihrer eigenen Jugend noch mit schlimmeren).

Wenn deine Eltern also einen abfälligen Kommentar über deinen Körper in einem bestimmten Kleidungsstück machen, kannst du besonnen, aber fest antworten: „Ich verstehe, dass du dir Sorgen um mich machst. Aber ich arbeite aktiv daran, meinem Körper gegenüber positiver eingestellt zu sein und glücklicher zu leben. Deshalb bin ich dir dankbar, wenn du solche Sätze in Zukunft komplett unterlässt.“ (→ 6 Exit-Strategien gegen nervigen Diät-Talk) So gelingt dir das Body-Shaming-Kontern, ohne dass du dich rechtfertigen musst.

Body-Shaming-Bullshit-Bingo | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

3. Aufklären – Body Shaming durch Eltern aufzeigen, statt dich zu rechtfertigen

Da Eltern mit ihrem Body Shaming oft nur die – gesellschaftlich verfälschte – Sorge um die Kinder zum Ausdruck bringen wollen, kann es ein befreiender Schritt sein, dass du sie in einem ruhigen Moment aufklärst: über ihre medizinischen Fehlannahmen und darüber, welche teifen seelischen Wunden ihre ständigen Bewertungen reißen. Das Ziel ist hier, Schritt für Schritt mehr Körperpositivität im familiären Kreis zu etablieren.

Erkläre deinen Eltern, dass Körpergewicht und dasindividuelle Körperbild aufgrund des heutigen Stands der Wissenschaft viel differenzierter betrachtet werden müssen und Body Shaming nachweislich psychischen Schaden anrichtet (→ Warum werden wir dick?). Es gibt unzählige genetische, biologische und soziale Faktoren dafür, wie dein Körper aussieht und eine Diät wird dich nicht „heilen“ oder glücklich machen (→ Warum Abnehmen dich dein Leben kostet). Obwohl die Gesellschaft dicke Menschen leider immer noch mit negativen Attributen assoziiert, weigerst du dich, dieses Stigma anzunehmen und wünschst dir, dass auch deine Eltern nicht so oberflächlich auf dich blicken (→ Warum dick kein Schimpfwort ist).

Vielen Eltern ist schlichtweg nicht bewusst, welchen zerstörerischen Effekt ihre Aussagen auf das Selbstwertgefühl ihrer Kinder haben (→ Selbstwertgefühl stärken bei Übergewicht – 3 Tipps). Schließlich sind Eltern ganz besondere Bezugspersonen im Leben ihrer Kinder. Wir erwarten gerade in der Familie Unterstützung und bedingungslose Liebe. Erkläre ihnen also ganz offen, wie sehr dich bestimmte Äußerungen verletzen: „Du weißt es sicherlich nicht, aber wenn du meinen Körper so bewertest, verletzt mich das zutiefst. Ich habe dann das Gefühl, dass deine Liebe an Bedingungen geknüpft ist.“

4. Spiegeln – Verletzende elterliche Muster sichtbar machen

Das führt uns zum nächsten Punkt. Body Shaming durch Eltern ist ja gerade deshalb so schmerzhaft, weil wir von unseren Eltern erwarten, dass sie uns lieben, egal was ist. Wenn sie unseren Körper oder unser Essverhalten kritisieren, ist die eigentliche Verletzung der Zweifel, ob sie uns überhaupt lieben und respektieren.

Nicht alle Eltern sind jedoch offen für ein rationales und wissenschaftlich fundiertes Gespräch, weil sie auf jegliche Form von Kritik sofort empfindlich reagieren oder – wie ein Großteil der Menschen in unserer Gesellschaft der Diätkultur – einfach nicht in der Lage sind, sich von jahrzehntelang indoktrinierten Schönheitsidealen und Vorurteilen zu lösen (→ Warum wir das Schönheitsideal überwinden müssen). Behalte im Hinterkopf, wie lange du selbst gebraucht hast, um hinter diese Fassade zu schauen, deine eigenen inneren Vorurteile zu überwinden und dich so anzunehmen, wie du bist (→ Ich will nicht abnehmen).

In solch festgefahrenen Situationen empfehle ich eine Strategie, die die „emotionale Einschnürung“, also die Angst vor dem Verlust der Liebe, spiegelt. Wenn deine Eltern sagen: „Du solltest abnehmen“, dann antwortest du: „Und wenn ich nicht abnehme, liebt ihr mich dann nicht mehr?“ Wenn sie sagen: „Iss nicht so viel“, dann sagst du: „Und wenn ich so viel esse, liebt ihr mich dann nicht mehr?“

Auf diese Weise kannst du sehr deutlich zeigen, was dich an ihren Aussagen eigentlich stört – nämlich nicht ihre Besorgnis, sondern ihr (vermeintlicher) Liebesentzug, ihre Abwertung. Du spiegelst also das schlechte Gefühl, das dir deine Eltern vermitteln, und kannst hoffen, dass sie es verstehen, wenn sie selbst plötzlich mit ihren eigenen harten Maßstäben konfrontiert werden (→ So kannst du dich gegen Body Shaming wehren).

5. Gehen – Konsequenter Selbstschutz bei emotionalem Missbrauch durch elterliches Body Shaming

Unsere Eltern sollten uns bedingungslos lieben und unterstützen. Das ist in der Realität aber leider nicht immer so; ob sie nun unbelehrbar in ihren Mustern feststecken, narzisstische Züge zeigen oder eigene psychische Probleme haben, die es ihnen unmöglich machen, respektvoll auf deine emotionalen Bedürfnisse einzugehen. Du bist nicht für ihre Heilung verantwortlich. Auch nicht dafür, dass sie gute Eltern sind.

Wenn Body Shaming tiefe Wunden hinterlassen hat, kann eine therapeutische Begleitung helfen, diese Erfahrungen aufzuarbeiten. | Zitat | Body Positivity und Selbstliebe | Marshmallow Mädchen

Wenn du merkst, dass du deine Familie trotz aller Erklärungsversuche nicht erreichst und wenn jede Begegnung nur noch seelischen Schmerz und Selbstzweifel verursacht, dann darfst du dir erlauben, dir Gedanken darüber zu machen, ob du den Kontakt zu ihr einschränken oder abbrechen möchtest. Sich von einer toxischen familiären Beziehung zu distanzieren oder die Eltern oder andere Familienmitglieder aus dem eigenen Leben zu entfernen, ist in unserer Gesellschaft leider immer noch ein riesiges Tabuthema. Aber es gehört zur Selbstfürsorge und -verantwortung, dich Menschen zu entziehen, die deine psychische Gesundheit und deine mühsam aufgebaute Körperakzeptanz gefährden (→ Sei lieb zu dir!).

In solchen festgefahrenen Dynamiken liegt ohnehin meist mehr im Argen als „nur“ Body Shaming. Es ist deine Freiheit und dein gutes Recht als erwachsener Mensch zu entscheiden, belastende Familienbande zu beenden. Du kannst weniger Kontakt zu deinen Eltern haben, den Kontakt für eine Weile oder auf unbestimmte Zeit einfrieren, aber auch verletzende Verwandtschaftsverhältnisse für immer hinter dir lassen

Dein Weg zu innerer Stärke: Warum du den Maßstab deiner Eltern nicht brauchst

Am Ende des Tages darfst du dir eines immer wieder ins Gedächtnis rufen: Dein Körper ist dein Zuhause – und du allein bestimmst die Regeln, wer darin wohnen und wer es bewerten darf. Die abfälligen Kommentare oder die scheinbar gut gemeinten Ratschläge deiner Eltern sagen rein gar nichts über deinen Wert, deine Gesundheit oder deine Schönheit aus. Sie spiegeln lediglich die Ängste, die Unsicherheiten und die internalisierte Fettfeindlichkeit der Generation wider, die vor dir kam (→ Was ist internalisierte Fettphobie?).

Es ist ein Akt radikaler Selbstfürsorge, dich von diesen fremden Erwartungen freizumachen – denen deiner Eltern, aber auch denen der Gesellschaft. Du musst nicht dünner, anders oder „weniger“ sein, um Respekt und Liebe zu verdienen. Wenn deine Familie diesen Respekt nicht aufbringen kann, dann ist es kein Versagen deinerseits, sondern eine gesunde Grenze, die du zu deinem eigenen Selbstschutz ziehen musst.

Such dir stattdessen Wahlfamilien, Freund:innen und Netzwerke, die dich in deiner Ganzheit feiern und dir zeigen, wie wunderschön und wertvoll ein Leben abseits des Diät-Wahnsinns sein kann. Du bist richtig, genau so, wie du jetzt in diesem Moment bist – dick, wunderbar und unbezähmbar.

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Titelfoto: Cristian Newman (Symbolbild mit Model)
Beitragsbild 1: Marshmallow Mädchen
Beitragsbild 2: Claudia Wolff

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