Ja, ich habe schon mal Pilates gemacht


Gesundes Leben

Als molliger Mensch hat man mit allerlei Vorurteilen zu kämpfen, vor allem dort, wo das Körperbild eine besondere Rolle spielt: zum Beispiel beim Sport.

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Ich musste Sport erst lieben lernen. Da ich ein pummeliges Kind war und vor allem im Sportunterricht ausgegrenzt und schlecht benotet wurde, konnte ich mich nie für Sport erwärmen. Natürlich wusste ich, dass Bewegung gegen Pfunde hilft und gesund ist. All die coolen Kinder machten Sport und letztlich war es sogar ein Statussymbol. Immer als Letzter in die Mannschaft gewählt - oder besser gesagt: gezwungenermaßen aufgenommen - zu werden, tut dem Image (und dem Selbstbewusstsein) nicht gut. Sportunterricht blieb also eine Anreihung von Niederlagen für mich. Schließlich wurde man nicht individuell oder an seinen eigenen Verbesserungen gewertet, sondern nach irgendwelchen olympischen Maßstäben.

Sport kann auch Spaß machen

Erst zum Ende meiner Schulzeit entdeckte ich, dass Sport auch Spaß machen kann. In meiner Nachbarschaft machte ein kleines Sportstudio auf, bei dem ich mich zusammen mit einer molligen Freundin anmeldete. Dort war alles sehr persönlich und die Trainer nahmen sich Zeit, uns die Schritte im Aerobic zu erklären. Es spielte gar keine Rolle, wer mehr oder weniger wog, wer mehr oder weniger Erfahrung hatte.

Als ich von zu Hause auszog, verebbte die Sportlust erst einmal wieder, weil ich natürlich nicht mehr in mein angestammtes Studio gehen konnte. Das neue war damit nicht vergleichbar, kühl, fremd - ich fühlte mich wieder bewertet, fand keinen Anschluss und war unsicher.

Die Rache der dicken Pilatesanhänger

Mittlerweile bin ich seit zehn Jahren in einem tollen Fitnesscenter. Dort herrscht eine angenehme Atmosphäre, Menschen aller Körperformen und -füllen sind willkommen. Mit der Zeit habe ich mir natürlich auch einen Ruf ersportelt: Meine Mitsportler und die Trainer haben gesehen, dass ich trotz meiner Pfunde problemlos zwei Stunden Zumba durchhalte oder mit den Fingern an meine Zehenspitzen komme. Es kommt nur aufs Training an, nicht auf die Körperfülle.

Dennoch: Jedes Mal, wenn ein Kurs vertreten wird und die obligatorische Frage kommt, ob es jemanden gäbe, der noch nie Pilates/Zumba/Yoga gemacht hat, verweilt der Blick des Trainers auf mir. Meistens tue ich, als ob ich es nicht bemerkte, aber innerlich antworte ich stets lakonisch:

"Ja, ich habe schon mal Pilates gemacht."

Während der Stunde kommt manch ein Trainer zu mir und bietet mir an, doch die leichtere Variante der Übung zu machen, obwohl ich mit der eigentlichen Übung besser zurechtkomme als manch anderer und meine ganze Körperhaltung, Atmung und Technik verrät, dass ich kein Anfänger bin.

Dicke sind nicht unbedingt unsportlich

In den Augen der Trainer sehe ich keinen Dicken-Hass. Es ist einfach auch unter ihnen das klassische Vorurteil verbreitet "dick = unsportlich". Sicher, viele Dicke machen weniger Sport als ihre schlanken Zeitgenossen; sie fürchten sich eben vor der Bewertung, davor, negativ herausgestellt zu werden. Aber es gibt mindestens genauso viele normalgewichtige Menschen, die keinen Spagat können. Die Vorurteile sollte wir also im Schrank lassen.

Titelfoto: Gratisography (CC0)

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