Warum es gut ist, weniger zu wollen


Selbstbewusstsein stärken

Wir sind darauf getrimmt, perfekt sein zu wollen und alles unter einen Hut kriegen zu müssen: Arbeit, Familie, Freizeit, Sport, gesund essen, stets toll aussehen und immer lächeln. Oftmals wissen wir gar nicht mehr, wieso wir diese Dinge wollen (sollen). Es war halt schon immer so in unserer Gesellschaft, die immer höher, schneller, weiter will. Dabei ist es eine Erleichterung, ja, eine Erleuchtung, weniger zu wollen.

Vor ein paar Jahren stand ich ziemlich unter Stress. Ich war überhaupt nicht zufrieden mit mir, weil ich nicht alles hinbekam, was ich mir vorgenommen hatte. Ich wollte unbedingt perfekt sein: früh aufstehen, gut in der Uni sein und natürlich jeden Tag lernen, immer etwas Frisches zu essen vorbereiten, mindestens viermal Sport in der Woche, 20 Kilo abnehmen, meine Wohnung sollte immer tadellos aussehen und ich natürlich auch und glücklich wollte ich dabei auch noch sein. Letztlich habe ich nichts davon so hinbekommen, wie ich es mir erdacht hatte. Der Tag hat nur 24 Stunden. Verdammt.

Mehr ist mehr ist mehr

Wenn eines meiner Vorhaben nicht funktionierte, wollte ich das beheben, indem ich es noch gewissenhafter vorbereitete. Um also gesunde Mahlzeiten zu mir zu nehmen, habe ich mir vorgenommen, Rezeptbücher zu wälzen, Einkaufslisten zu schreiben, die ich meist nur in mehreren Geschäften abarbeiten konnte - und letztendlich das Essen zu kochen. Alles ziemlich unpraktisch, wenn man bedenkt, dass ich wegen meiner Aufgabenliste und des tiefsitzenden Perfektionswunsches ohnehin keine Zeit hatte.

Was ich mich nie gefragt habe, war, ob ich das überhaupt alles tun musste, und wenn ich es tat, ob dann immer gleich Perfektion nötig war. Diese Frage stellte ich mir erst, als mich plötzlich ein Zitat im Internet (jaha!) überraschte. Ihr kennt das ja, manchmal läuft einem genau zur richtigen Zeit etwas über den Weg, so dass man glauben muss, dass das Universum es eigens zu einem geschickt hätte - und wer streitet sich schon mit dem Universum! (So etwas kann euch zum Beispiel auf Marshmallow Mädchens Facebookseite passieren, auf der es jeden Tag neue Inspiration gibt.) Dieser Spruch machte mich also sehr nachdenklich:

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War es möglich, dass ich nicht mehr tun musste, sondern weniger, um wirklich etwas zu schaffen? Daraufhin bin ich meine To-do-Liste Punkt für Punkt durchgegangen und habe gnadenlos alles gestrichen, von dem ich tief im Innern wusste, dass ich es nicht tun wollte, konnte oder musste. Ich konzentrierte mich dabei auf zwei Fragen: "Muss ich das heute tun?" und "Muss ich das überhaupt tun?"

Weniger ist glücklich

Allzu oft platzen unsere To-do-Listen aus allen Nähten wegen Aufgaben, die uns andere stellen. Etwas wird von uns erwartet - von unserem Partner, unseren Kindern, unseren Freunden, unserem Chef oder der Gesellschaft im Allgemeinen. Und wir selbst erwarten von uns Perfektion. Wir glauben: Menschen, die nicht perfekt sind, sind schwach, faul, disziplinlos. Deshalb haben Übergewichtige oft das Bedürfnis, noch fleißiger, noch perfekter zu sein als andere - um den Vorurteilen zu entgehen (→ Warum dick kein Schimpfwort ist).

Aber sind die Unperfekten nicht die wahrhaft Sympathischen, die Authentischen, die zufrieden sind mit den Dingen, die sie haben, die nicht immer darüber nachdenken, was sie (oder andere) noch wollen sollen? Sind Menschen, die über ihre Imperfektionen hinwegsehen und lachen, nicht die glücklicheren? (→ Öfter mal Konventionen brechen) Wären wir nicht gerne alle so? Wären wir nicht viel lieber dick und glücklich als schlank, aber ständig in Angst lebend, diese Perfektion wieder zu verlieren? (→ Was ist Body Positivity?)

Mut zur Imperfektion

Ja. Ich weiß es, weil ich mich den Imperfekten angeschlossen habe (→ Sei dein eigener Standard). Die Uni ist lange abgehakt, ohne mir ein Bein ausgerissen zu haben, zweimal Sport in der Woche reichen aus, gesunde Gerichte sind auch mit dem zu zaubern, was ich in Speisekammer und Kühlschrank habe, und ich bin Meisterin des "Schnellputzens" geworden. Ich muss nicht immer glücklich sein - alle Gefühle haben ihre Berechtigung und verdienen ihre Zeit. Und weil nun eben auch Zeit da ist, finde ich Muße und Lust, Dinge zu tun, die früher nur eine nervige Aufgabe waren, zum Beispiel noch eine Yoga-Session einzuschieben, ausgiebig zu kochen oder etwas Kreatives zu tun.

Natürlich bin auch ich gezwungen, Sachen zu machen, die ich nicht machen möchte. Manchmal ist meine To-do-Liste so voll, dass ich vollkommen den Überblick verliere. In solchen Momenten setze ich mich bewusst hin und beginne zu subtrahieren.

Ich habe mir die Erlaubnis gegeben, weniger zu wollen. Wenn ihr diese Erlaubnis auch wollt: Hier ist sie!

Wie kommst du mit den Anforderungen unserer Zeit zurecht? Strebst du nach Perfektionismus? Diskutiere mit ↓

Titelfoto: GraphicStock

Beitragsbild: GraphicStock

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