Body positive in 3 Schritten


Selbstbewusstsein stärken

Auf Marshmallow Mädchen geht es um Body Positivity, also darum, seinem eigenen Körper (und denen anderer) positiv gegenüberzustehen. Für viele Übergewichtige ist das Neuland, denn noch nie hat ihnen jemand erlaubt, ihren dicken Körper zu lieben. Uns ist dermaßen eingeimpft worden, uns nicht positiv zu bewerten, sondern die Armada negativer Übergewichtsassoziationen anzunehmen, dass wir oft nicht mehr in der Lage sind, uns selbst zu lieben - nicht einmal, wenn wir wollen. Marshmallow Mädchen zeigt euch, wie ihr in drei kleinen Schritten body positive werdet (ohne nackt vor dem Spiegel zu stehen).

Marshmallow Mädchen ist nun seit einer kleinen Weile online und mittlerweile bekomme ich Komplimente für mein Selbstbewusstsein. In den meisten Mails, die ich erhalte, steht ein Satz wie: "Ich wäre auch gern so selbstbewusst wie du, aber ich kann mich einfach nicht mögen."

Dabei wurde ich wirklich nicht mit Selbstbewusstsein und Körperakzeptanz geboren. Ich war immer rund und deshalb war ich immer anders. Natürlich wurde über mich in der Schule auch geredet, aber ich vermute, nicht so oft, wie ich dachte (→ Hau ab, du fette Sau).

Aber es ist verständlich, dass ich so unsicher war, dass ich immer dachte, ich sei nicht so schön und nicht so viel wert wie andere. Die Medien suggerieren uns das tagein/tagaus. Mittlerweile ist die Assoziation von Übergewicht mit schlechten Charaktereigenschaften - faul, ungepflegt, ungesund, undiszipliniert - derart in der Gesellschaft verankert, dass wir sie als gegeben hinnehmen. Nach dem Prinzip: Wird etwas nur oft genug wiederholt und glauben es nur genug Menschen, dann muss es wahr sein.

Aber die Vorurteile sind nicht wahr. Das durfte ich an vielen wundervollen und schönen dicken Menschen sehen - und letztlich auch an mir. In letzter Zeit befasst sich auch die Wissenschaft wieder mehr mit dem Thema und beginnt, alte Denkmuster aufzulösen, indem sie beweist, dass viele unserer Glaubenssätze bezüglich Übergewicht und Adipositas schlichtweg falsch sind und einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten.

Body positive zu sein, heißt deshalb, seinen Blickwinkel zu ändern. Das, was wir als wahr und real wahrnehmen, entscheidet sich im Kopf. Indem wir Dinge hinterfragen und unsere Wahrnehmung auf andere Aussagen lenken als "Alle Dicken sind so-und-so", verändern wir unsere Geisteshaltung und unser allgemeines Mindset, also unsere Denkweise und die Struktur unserer Einstellungen.

Im Folgenden verrate ich euch drei Schritte, mit denen ich es geschafft habe, body positive und damit auch selbstbewusster zu werden. Zur Nachahmung empfohlen.

1. Mach deinen Facebook-Feed body positive

Ich glaube, für mich war das einer der wichtigsten Schritte. Wenn man wie ich so viel bei Facebook rumhängt, dann prägt einen natürlich, was dort in den Neuigkeiten angezeigt wird. Normalerweise sind das dieselben Dinge, die man sonst auch überall sieht. Aber Facebook hat den Vorteil, dass man selbst entscheiden kann, welche Inhalte man sehen möchte (das gilt auch für Instagram und andere soziale Netzwerke).

Als ich damals die Plus-Size-Szene entdeckte, fing ich an, Plus-Size-Fashion-Bloggern zu folgen. Und plötzlich war mein Newsfeed nicht mehr dominiert vom dünnen Standardmodel, sondern von Frauen in den verschiedensten Konfektionsgrößen, mit denen ich mich identifizieren konnte und die nicht den Standardslogan vieler sogenannter Frauenzeitschriften "Nimm 15 Kilo in drei Tagen ab" propagierten. Hier wurden Themen behandelt, die mich interessierten und einen Mehrwert für mich hatten, zum Beispiel, wo man schöne Mode in großen Größen findet oder was man gegen reibende Oberschenkel unternehmen kann (→ 9 Tricks, damit Oberschenkel nicht reiben). Diese Frauen waren und sind große Vorbilder und Inspirationsquellen für mich.

Im Laufe der Zeit habe ich meine Neuigkeitenseite bei Facebook um weitere "alternative" Angebote erweitert. Ich bin von den Massenmedien abgewichen, von den Leuten, die uns immer erzählen, wir seien nie gut genug, egal wie dünn, wie sportlich, wie gesund. Da ginge doch immer noch mehr. Ich konzentriere mich nun auf Angebote, die einem ein gutes Gefühl geben und echte Tipps, wie man in seinem Leben etwas verändern kann.

Wenn du jetzt - wie viele - gar keine Alternativen zu den gängigen Seiten und Angeboten auf Facebook kennst, dann beginne am besten bei Marshmallow Mädchen auf Facebook. Hier erhältst du jeden Tag eine Inspiration und Motivation und garantiert kein schlechtes Gewissen. (→ 35 Body-positive-Facebookseiten, denen man unbedingt folgen muss)

2. Lies Zeitschriften ohne Modeseiten

Wenn man ständig nur einem Ideal hinterherrennt, wird man nie glücklich (→ Sei dein eigener Standard). Modeseiten in Zeitschriften zeigen meist nur teure und nicht in großen Größen produzierte Kleidung. Die meisten von uns passen da nicht rein und können sie sich nicht leisten. Warum quälen wir uns also wieder und wieder damit, uns etwas anzuschauen, was wir nicht haben können, was nicht für uns bestimmt ist? Das macht uns unglücklich und unzufrieden. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass Frauen nach dem Lesen eigentlich für sie bestimmter Zeitschriften schlechtere Stimmung haben als zuvor.

Hinterfrage also, ob du die Zeitschrift, die du in Händen hältst, liest, weil sie dir einen Mehrwert bietet oder einfach nur, weil "Frau" vorne draufsteht und du eine Frau bist. Nicht alle Frauen sind gleich, nicht alle Frauen müssen sich für "Frauenthemen" interessieren. Such dir lieber eine Zeitschrift, die deinen Bedürfnissen entspricht, zum Beispiel dein Hobby betreffend. Stricken, Kochen, Basteln - für alles und jeden gibt es im Zeitschriftenregal Kurzweil. Nach Mode schaust du am besten da, wo es sie in deiner Größe und Preiskategorie gibt (→ Hau ab, du fette Sau).

3. Bewerte nicht

Nicht bewerten - vielleicht die schwierigste Aufgabe überhaupt. Hast du einen body-positive-Facebook-Feed, ziehst aber über jedes Foto eines Plus-Size-Bloggers her, wirst du auch nicht glücklicher werden und mit Body Positivity hat das auch wenig zu tun. Im Gegenteil: Body Positivity bedeutet, jeden Körper zu respektieren.

Ich kann dir auch verraten, dass Selbstliebe und Selbstvertrauen oft bei anderen beginnen. Wieso? Weil es leichter ist, anderen ihre "Makel" zu verzeihen als sich selbst. Was ich allerdings häufig beobachte, ist, dass gerade dicke Frauen über andere dicke Frauen im Internet herziehen. Und wisst ihr, was dahintersteckt? Neid.

Wenn wir neidisch sind, haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können den anderen niedermachen, damit wir selbst uns wieder besser fühlen. Oder wir können ihn als Vorbild nehmen, als Ziel, das wir erreichen wollen.

In meiner ersten Zeit des body-positive-Feeds habe ich mich oft dabei ertappt, wie ich dachte: "Also, wie kann die nur einen Bikini tragen, wenn die so dick ist? Das würde ich ja nie machen." Aber wisst ihr, was das ist? Gesellschaftliche Denke. Das ist genau das, was uns immer eingetrichtert wurde. Dicke Frauen sind hässlich, dicke Frauen müssen sich verhüllen, dicke Frauen sind nicht sexy, Dehnungsstreifen dürfen niemals gezeigt werden.

Jedes Mal, wenn ich in diese Denkmuster geraten bin, habe ich hinterfragt. Hinterfragen ist eine unserer wertvollsten Möglichkeiten für den Realitätscheck und wir sollten sie viel öfter nutzen. Wer sagt, dass dicke Frauen keinen Bikini tragen dürfen? Wer sagt, dass dicke Frauen hässlich sind? Die Frau auf dem Bild beweist doch gerade das Gegenteil (→ Selbstbewusst in Badeanzug und Bikini).

Ich habe mir angewöhnt, jeden Menschen, dessen Foto mir begegnet, mit Respekt und Liebe zu betrachten. Immer wenn ein altes Denkmuster oder Neid aufkommen, hinterfrage ich. Und irgendwann habe ich an dicken Menschen einfach keinen Schönheitsmakel mehr gesehen. Ich habe mich daran gewöhnt, dass sie jeden Tag um mich sind mit ihrer Schwabbelhaut, den Dehnungsstreifen und der ganzen gesellschaftlichen "Unperfektion". Ich habe gesehen, dass sie schön, gesund, klug, fleißig und all diese Dinge sein können, wie dünne Menschen auch. Letztlich konnte ich mich nicht anders als andere bewerten, also hatte ich in meiner Realität auch keinen Schönheitsmakel mehr (→ Gefängnis der Schönheitsideale). Und so wurde ich rundum body positive.

Titelfoto: GraphicStock

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