Body Positivity vs. Übergewicht verherrlichen


Body Positivity

Jeder, der mit seiner fülligen Figur gut leben kann oder einfach nur zufrieden ist, hat diesen Vorwurf schon gehört: Mit der positiven Einstellung zu sich selbst verherrliche man diesen krankhaften Zustand des Übergewichts oder propagiere ihn gar. Aber ist das wirklich so?

Body Positivity und Übergewicht: Jeder, der body positive ist, hat diesen Vorwurf bestimmt schon gehört: Mit der positiven Einstellung verherrlicht man Übergewicht. Stimmt das?

Kurze und lange Antwort: nein.

Etwas ausführlichere Antwort: Body Positivity und Übergewicht sind so vergleichbar wie die berühmten Äpfel mit den nicht minder berühmten Birnen. Ich kenne wirklich keinen Body-Positive-Aktivisten oder glückliche dicke Person, die andere dazu animieren wollen, zuzunehmen. Dennoch bilden Body Positivity und Abnehmen (also der Antagonist des Übergewichts) in gewisser Hinsicht die zwei Seiten der gleichen Medaille (→ Wie hilft Body Positivity beim Abnehmen?).

Übergewicht braucht keine Werbung

Übergewicht an sich macht ja erst einmal gar nichts, aber mit der Zeit kann es durchaus zu gesundheitlichen Problemen führen. Viele Zusammenhänge, die als erwiesen dargestellt werden, sind es allerdings gar nicht (→ Warum werden wir dick?). Mein Arzt sagt dazu immer: "Die Dicken leben auch nicht kürzer als die Dünnen. Was zu einem Problem werden könnte, sind die Gelenke. Aber um das zu wissen, muss man nicht Medizin studiert haben."

Übergewicht wird im Gegensatz zum Schlankheitswahn nicht propagiert. Nun gibt es aber trotzdem einige Leute, die übergewichtig sind - das haben sie auch ohne extra Werbung geschafft. Und diese sind meistens unglücklich, und zwar ursprünglich nicht, weil sie ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringen, sondern weil sie mit allerhand Vorurteilen konfrontiert werden - faul, ungepflegt, undiszipliniert, unsportlich etc. -, die auf sie nicht mehr oder weniger zutreffen als auf alle anderen Menschen auch (→ Hau ab, du fette Sau! (Fat-Shaming)).

Fat-Shaming essen Seele auf

Viele Übergewichtige sind "Seelenesser", auch wenn es ihnen oft nicht bewusst ist. Die Ablehnung, sei es auch nur eine gefühlte, durch die Gesellschaft führt nicht dazu, dass sie abnehmen, sondern dass sie noch mehr essen, um sich zum Beispiel zu trösten oder zu belohnen, weil sie mal wieder einen Tag in der feindlichen Welt überstanden haben.

Viele Dicke leiden zudem unter einer Essstörung, das heißt, sie haben ein verzerrtes Verhältnis zum Essen. Das ist eine psychische Krankheit oder zumindest ein seelischer Zustand. Wie löst man einen solchen Zustand? Durch Druck? Nein. Durch Akzeptanz. Erst danach folgt die Veränderung - so sie denn gewollt ist.

Body Positivity = Self Positivity

Hier kommt Body Positivity ins Spiel. Das ist ein Begriff, den ich persönlich sehr ansprechend finde und der im Übrigen in allen Gruppen Anwendung finden kann, deren Mitglieder als nicht "normal" gelten. Stellen wir uns den Fakten: Nicht alle Übergewichtigen werden ein "gesundes Gewicht" erreichen (→ Gefängnis der Schönheitsideale), so wie nicht alle Raucher den Entzug vom Glimmstängel schaffen, so wie viele Alkoholiker und Junkies rückfällig werden.

Müssen diese Menschen also immer unglücklich sein? Dürfen sie sich niemals hübsch anziehen? Dürfen sie nicht stolz darauf sein, 30 Kilo abgenommen zu haben, auch wenn sie immer noch 150 Kilo wiegen?

Body Positivity und Übergewicht

Ich habe irgendwann beschlossen, nicht mein Leben lang unglücklich zu sein aufgrund dieses einen Aspektes. Ich schreibe hier nicht, um Menschen dazu zu animieren, übergewichtig zu werden, aber ich schreibe, um Übergewichtige zu animieren, sich zu akzeptieren und jetzt zu leben, und zwar gut zu leben (→ Warte nicht auf schlanke Zeiten). Vor allem die, die abnehmen wollen, müssen erst einmal lernen, sich zu lieben; denn wie kann man gut zu jemandem sein, den man hasst?

Body Positivity verherrlicht Übergewicht also keinesfalls. Das Konzept hat eigentlich gar nichts mit Übergewicht oder Gesundheit zu tun (→ Warum Body Positivity nichts mit Gesundheit zu tun hat), sondern lediglich mit Körperlichkeit. Body Positivity strebt an, jeden Körper zu akzeptieren, so wie er jetzt gerade ist.

Titelfoto: Death to the Stock Photo (CC0)

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